Behauptung: „Die Folgen des Klimawandels sind nicht (so) schlimm“

Behauptung: „CO<sub>2</sub> ist ein Pflanzendünger und kein Schadstoff“

Behauptung: Das CO2 in der Atmosphäre ist Voraussetzung für alles Leben auf der Erde. CO2 ist kein Schadstoff: Mehr Kohlendioxid bedeutet, dass Pflanzen besser wachsen und Ernten ertragreicher sind.

Fakt ist: Negative Seiten des Klimawandels machen kurzfristige CO2-Düngeeffekte mehr als wett

Antwort: 

Etwaige Düngeeffekte durch höhere CO2-Konzentrationen sind längerfristig gering oder null, da die Wirkung anderer für das Wachstum entscheidende Faktoren stärker ist. Mit weiter zunehmenden Kohlendioxid-Werten werden die negativen Effekte des Klimawandels für die Landwirtschaft in vielen Regionen überwiegen.

Pflanzen reagieren unterschiedlich und ungleichmäßig auf eine erhöhte
CO2-Konzentration in der Luft. Grundsätzlich regt ein vermehrtes Angebot von Kohlendioxid die Photosynthese von Pflanzen an. Feldexperimente jedoch zeigen, dass dies oft keine oder nur eine vorübergehende Wirkung auf das Wachstum hat.

Ein höheres CO2-Angebot führt in den meisten Fällen nicht zu mehr Wachstum, weil die Pflanzen wichtige Nährstoffe aus dem Boden beziehen (z.B. Phosphor) – und das Angebot dieser Stoffe nimmt ja nicht zu. Auch Wassermangel und überhöhte Temperaturen können das Wachstum begrenzen (Reich 2006) Nun sind aber höhere Temperaturen und größere Trockenheit (oder zumindest unregelmäßigere Niederschläge) zwei der allgemein erwarteten Folgen des Klimawandels. Salopp gesagt wird vielen Pflanzen ein höherer CO2-Gehalt in der Luft auch deshalb keine großen Vorteile bieten, weil sie häufiger versengen und verdorren. Selbst wenn in der Landwirtschaft Nährstoffmangel durch Dünger reduziert wird, sind die Wirkungen unter Freilandbedingungen viel geringer als ursprünglich auf Grund von Topfversuchen angenommen wurde. (Körner 2006)

Anhänger der These, mehr Kohlendioxid sei gut für Pflanzen, verweisen häufig auf den Dritten Bericht des Weltklimarates IPCC aus dem Jahr 2001. Damals wurden für eine CO2-Verdoppelung tatsächlich Zuwächse bei Sojabohnenerträgen um 20 bis 30 Prozent prognostiziert, die Verluste durch den Klimawandel wettmachen oder sogar zu einen Nettozuwachs der Ernten bedeutet könnten (Allen 1987, Cure/Acock 1986). Aktuellere und realistischere Feldstudien zeigten aber später, dass dieser Anstieg wahrscheinlich um den Faktor zwei überschätzt wurde. Statt zusätzlicher Erträge ist mit häufigeren, wetterbedingten Ernteeinbußen zu rechnen (Long 2006).

Die meisten Getreideforscher erwarten, dass infolge der Erderwärmung die Ernteerträge insgesamt abnehmen, weil die Pflanzen vermehrt Extremwetterbedingungen ausgesetzt sein werden (beispielsweise Hitzewellen, Dürren, Starkregen). Höhere Temperaturen verkürzen die Vegetationsphasen der meisten Getreidesorten, und höhere Ozonwerte drücken die Ernteerträge (Porter 2005). Dazu kommt, dass der Proteingehalt und damit der Nährwert der Getreidekörner bei erhöhtem CO2-Angebot sinkt (Taub 2007, Högy 2009). Eine aktuelle Studie (Pleijel/Uddling 2012) ergab:

"Ein höheres CO2-Niveau hat einen direkten negativen Effekt auf die Anreichung von Proteinen im Getreidekorn - und zwar unabhängig vom Effekt auf die Erntemenge. Dies unterstützt jüngere Belege dafür, dass die Stickstoff-Aufnahmefähigkeit von Pflanzen direkt mit dem Kohlendioxid-Angebot zusammenhängt."

Der mögliche Düngeeffekt durch höhere CO2-Konzentrationen ist also in der Regel im Vergleich mit anderen Umweltfaktoren, die für das Wachstum wichtig sind, vernachlässigbar, nur von kurzer Dauer oder auf Gewächshauskulturen beschränkt. Im Freiland werden die negativen Effekte (zum Beispiel von wahrscheinlich zunehmenden Hitzewellen und Trockenheit) überwiegen.

Urs Neu/klimafakten.de, Stand: Dezember 2012