Behauptung: „Der Klimawandel ist nicht so schlimm“
Etwaige positive Folgen des Klimawandels werden von den negativen mehr als ausgeglichen
Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass die meisten Auswirkungen des Klimawandels nur geringen oder gar keinen Nutzen haben werden – während andererseits große Schäden und beträchtliche Kosten drohen.
Landwirtschaft
Natürlich ist Kohlendioxid wichtig für das Pflanzenwachstum. Doch ein landwirtschaftlicher Anbau ist stark abhängig von einer gleichmäßigen Wasserzufuhr. Diese aber wird in manchen Regionen durch den Klimawandel und daraus folgende Überflutungen und Dürren erheblich gestört werden.
Behauptungen, Gebiete in höheren Breiten - z. B. Sibirien – würden durch die globale Erwärmung produktiver, sind zweifelhaft. Der Boden in der Arktis und in angrenzenden Gebieten ist nämlich sehr nährstoffarm; und die Menge an Sonnenlicht, die den Boden im Sommer erreicht, wird sich infolge des Klimawandels nicht ändern, weil sie durch die Neigung der Erdachse bedingt ist.
Weitere negative Folgen der Erderwärmung sind das vermehrte Auftreten von Waldbränden sowie Veränderungen des jahreszeitlichen Ablaufs, die bereits heute zu beobachten sind.
Auch für die Tierhaltung sind Beeinträchtigungen zu erwarten: Veränderungen bei Grasflächen und dem Wasserhaushalt können Auswirkungen auf die Beweidung haben und die Gesundheit des Viehbestands.
Einen besonders großen Effekt dürfte die zunehmende Erwärmung auf Länder haben, deren Klima ohnehin schon nahe beim oder am Temperaturlimit liegt, ab dem landwirtschaftliche Erträge zurückgehen oder ganz ausbleiben - wie z. B. in den Tropen oder in der Sahelzone.
Gesundheit
Wärmere Winter würden vor allem in den nördlichen Breiten zu weniger Todesfällen führen, vor allem bei kältegefährdeten Personengruppen wie z. B. alten Menschen. Genau die gleichen Gruppen sind jedoch auch durch die zusätzliche Wärme gefährdet, die der Klimawandel nach sich ziehen wird. Eine Studie auf der Basis von Daten aus 50 US-amerikanischen Städten kam zu dem Ergebnis, dass die Zahl der Todesfälle durch Hitzeextreme viel höher ist als durch Kälteextreme und es deshalb unwahrscheinlich ist, dass der Rückgang bei Kältetoten durch den Klimawandel den Anstieg der Zahl von Wärmetoten ausgleichen könnte.
Es wird auch generell angenommen, dass ein wärmeres Klima die Verbreitung krankheitsübertragender Insekten wie Moskitos begünstigt. Schon heute tritt beispielsweise Malaria bereits in Gebieten auf, in denen sie bisher nicht vorkam.
Das Abschmelzen der Polkappen
Selbst wenn die ganzjährige Öffnung einer eisfreien Passage in der Arktis zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Pazifik ein paar kommerzielle Vorteile hätte (etwa einen verbesserten Zugriff auf die Energie- und Mineralvorkommen), müssen diese gegen die negativen Auswirkungen abgewogen werden. Zu diesen gehören der Verlust an Lebensraum für lokale Tierarten und eine Zunahme an beweglichen Eishindernissen für die Schifffahrt.
Der Verlust von Eis und die damit verbundene Albedoänderung (offener Ozean reflektiert weniger Sonne als Eis), durch die der Ozean mehr Wärme aufnimmt, ist ein den Klimawandel beschleunigender Effekt (Experten sprechen von verstärkenden „Rückkopplungen“): das wärmere Wasser verstärkt das Abschmelzen der Gletscher und der Eiskappen Grönlands. Außerdem erhöhen sich die Temperaturen in der arktischen Tundra, wodurch Methan - ein sehr starkes Treibhausgas - freigesetzt wird (Methan wird auch am Meeresboden freigesetzt wo es in Clathraten genannten Eiskristallen gebunden ist).
Durch das Abschmelzen des antarktischen Schelfeises wird mit einem zusätzlichen Anstieg des Meeresspiegels gerechnet, ohne dass dies positive Auswirkungen hätte.
Versauerung der Ozean
Die Veränderung des pH-Wertes der Ozeane gibt Anlass zu großen Bedenken. Der Prozess wird durch zusätzlich vom Wasser aufgenommenes CO2 verursacht und dürfte starke destabilisierende Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette im Meer haben. Die genaue Grenze ab der die Versauerung des Meeres Oekosysteme zerstören kann, ist regional unterschiedlich und noch nicht genau verstanden.
Gletscherschmelze
Die Auswirkungen der abschmelzenden Gletscher sind überwiegend negativ. Viele Millionen Menschen (ein Sechstel der Weltbevölkerung) sind vom Frischwasser abhängig, das von der natürlichen Schneeschmelze im Frühjahr stammt, und diese Wasserquelle – Trinkwasser und Bewässerung der Landwirtschaft – könnte zusammenbrechen.
Anstieg des Meeresspiegels
Viele Regionen der Erde sind tiefgelegen und werden schon bei einem geringen Anstieg des Meeresspiegels sehr stark betroffen sein. Reisfelder werden von Salzwasser überflutet, wodurch die Ernte zerstört wird. Meerwasser verunreinigt Flüsse wenn es sich mit dem Frischwasser flussaufwärts vermischt, und grundwasserführende Schichten werden verunreinigt.
In Anbetracht der Tatsache, dass das IPCC in seinem 2007 erschienen Vierten Sachstandsbericht bei der Vorhersage des Meeresspiegels für 2100 nicht das Schmelzwasser von Grönland und den Eiskappen der Antarktis berücksichtigte, weil damals die wissenschaftlichen Unsicherheiten zu groß waren, wird befürchtet, dass die bisherigen Schätzungen über den Meeresspiegelanstieg das Problem erheblich unterschätzen. Es gibt derzeit keine möglichen Vorteile durch den Anstieg des Meeresspiegels, von denen wir wüssten.
Umwelt
Zu den positiven Auswirkungen des Klimawandels könnten grünere Regenwälder gehören, verstärktes Pflanzenwachstum am Amazonas, zunehmende Vegetation in nördlichen Breiten und eine mögliche Zunahme an Biomasse von Plankton in einigen Meeresgebieten.
Negative Reaktionen könnten eine Zunahme von sauerstoffarmen Meeresgebieten sein, Verunreinigung oder Erschöpfung von Frischwasser, die Zunahme von natürlichen Bränden, weitverbreitetes Absterben der Vegetation durch Dürren, erhöhtes Risiko für das Aussterben der Korallen, Abnahme des globalen Photoplanktons, Veränderungen beim Wanderverhalten von Vögeln und anderen Tieren, Veränderungen bei den Jahreszeiten, Unterbrechung von Nahrungsketten und der Verlust von Arten.
Die genaue Simulation von Vegetation und den entsprechenden sozio-ökonomischen Effekten ist komplex und noch nicht endgültig verstanden.
Wirtschaft
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels sind eines der umstrittensten Forschungsthemen – denn Berechnungen und Bewertungen von ökonomischen Folgen sind sehr stark von den jeweils getroffenen Annahmen abhängig. Die meisten Untersuchungen erwarten zahlreiche negative Folgen und nur sehr wenige positive Auswirkungen. Der Stern-Report im Auftrag der britischen Regierung machte das generelle Muster der ökonomischen Notlage deutlich: Selbst wenn die genauen Zahlen in Zweifel gezogen werden, waren die Kosten des Klimawandels sehr viel höher als die Kosten, ihn zu verhindern.
Einige Szenarien im 4. IPCC-Report aus dem Jahr 2007 sagen massive Völkerwanderungen voraus, sobald niedrig gelegene Länder überflutet werden. Störungen im Welthandel, beim Transport, den Energievorräten, den Arbeitsmärkten, den Banken und Finanzsystemen, Investment und Versicherungen würden die Stabilität sowohl von Industrienationen, als auch von Entwicklungsländern ins Chaos stürzen. Märkte müssten stärkere Schwankungen aushalten und institutionelle Investoren wie Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen hätten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen.Entwicklungsländer, von denen einige bereits in militärische Konflikte verstrickt sind, könnten in größere und längere Auseinandersetzungen über Wasser, Energiequellen oder Nahrungsmittel hineingezogen werden. Dies könnte das wirtschaftliche Wachstum zeitgleich mit zunehmend schlimmeren Manifestationen des Klimawandels zerstören.
Es gilt wissenschaftlich weitestgehend als gesichert, dass die Nachteile des Klimawandels vor allem die Länder treffen werden, die am wenigsten in der Lage sind, sich sozial oder wirtschaftlich darauf einzustellen.
G. P. Wayne/klimafakten.de, Stand: August 2010





