
Abbildung 1: Satellitenmessungen der Veränderungen des globalen Durchschnitts- Meeresspiegels (ohne saisonale Schwankungen und invers-barometrischem Effekt), in Rot die Daten des Satelliten „Topex“, in Grün und Gelb die der Folgemissionen „Jason“, die blaue Kurve zeigt das 60-Tages-Mittel, die schwarze Linie den Gesamttrend; Quelle: University of Colorado
Schon damals zeigte eine Betrachtung der vollen Datenreihe, dass der langfristige Trend des Meeresspiegelanstiegs von einem „Rauschen“ überlagert ist, d.h. von kurzfristigen Schwankungen. Wegen dieser Fluktuationen gibt es kurze Zeiträume mit mehr oder weniger raschem Anstieg. Diese Schwankungen bedeuten keine Änderung im klimabedingten Trend, und tatsächlich stieg nach 2008 der Meeresspiegel weiter.
Dieses Phänomen aber ist normal, wenn aus Einzeldaten einer schwankenden Entwicklung eine Langzeitentwicklung abgeleitet wird. Bei den Temperaturaufzeichnungen beispielsweise ist es nicht anders (und auch dort werden oft die gleichen falschen Schlüsse gezogen). Man sollte deshalb stets sehr skeptisch sein, wenn jemand langfristige Tendenzen aus Daten nur weniger Jahre (oder nur eines Ortes) abzuleiten versucht.
Aus Küstenpegeln kann der globale Meeresspiegelanstieg seit dem 19. Jahrhundert (oder sogar noch weiter zurück) berechnet werden (siehe Abbildung 2). Dabei zeigt sich, dass die Anstiegsrate sich von ca. einem Millimeter pro Jahr zu Beginn des 20. Jahrhunderts. auf rund drei Millimeter pro Jahr zum Ende des 20. Jahrhunderts beschleunigt hat.

Abbildung 2: Anstieg des Meeresspiegels laut Küstenpegeln (rot, aus Church 2006) und laut der oben diskutierten Satellitenmessungen ab 1993 (blau)
Über noch längere Zeiträume kann der Meeresspiegel aus Sedimentdaten rekonstruiert werden. Abbildung 3 zeigt eine solche Rekonstruktion aus dem Nordatlantik (Kemp 2011). Dabei zeigt sich, dass die Anstiegsrate im 20. Jahrhundert dreimal so hoch war wie in jedem früheren Jahrhundert der zurückliegenden 2000 Jahre.

Abbildung 3: Verlauf des Meeresspiegels über die letzten zweitausend Jahre aus Sedimentbohrkernen in North Carolina (blaue Kurve). Zum Vergleich sind in grün die am weitesten zurückreichenden Pegeldaten gezeigt, sowie eine Modellrechnung auf Grundlage des globalen Temperaturverlaufes; Quelle: Kemp 2011
Umfassendere Betrachtung des Meeresspiegelanstiegs
Traditionell wird der globale Durchschnitts-Meeresspiegel (d.h. der weltweite Durchschnitt des Ozeanpegels) durch Tidenmesser bestimmt. Sie ermitteln den Stand der Meeresoberfläche im Verhältnis zur Küste. Ein Problem dabei ist, dass nicht nur der Meeresspiegel, sondern auch die Höhe des Landes sich verändern kann, z.B. als Landabsenkung durch das Abpumpen von Grundwasser oder durch glazio-isostatische Ausgleichsprozesse. Diese treten auf, wenn Landmassen früher von massiven Eisschilden heruntergedrückt wurden und sich nach der Befreiung von der Eislast nach dem Ende der letzten Eiszeit noch nach oben bewegen.
Zur Erstellung einer weltweiten Historie des Meeresspiegel-Standes werden die Landhebungs- oder Senkungsprozesse daher herauskorrigiert. So rekonstruiert beispielsweise Church 2006 mithilfe von Tidenmessern, die über die gesamte Erde verteilt sind, einen sich beschleunigenden Anstieg der Meere im 20. Jahrhundert.
Das Interessanteste sind dabei die langfristigen Entwicklungen: Abbildung 4 zeigt die Veränderung des 20-Jahres-Trends beim weltweiten Durchschnitts-Meeresspiegel (auf der Basis von Tidenmessungen): Von 1880 bis ins frühe 20. Jahrhundert stieg der Meeresspiegel um etwa einen Millimeter pro Jahr. Während fast des gesamten 20. Jahrhunderts stieg er um ungefähr zwei Millimeter pro Jahr. (Von 1963 bis 1991 ereigneten sich mehrere Vulkanausbrüche, die zu einer Abkühlung der Atmosphäre und damit Kontraktion der oberen Ozeanschichten führten – Folge war eine zeitweise Verlangsamung des Meeresspiegelanstiegs.) Zum Ende des 20. Jahrhunderts erreichte der Anstieg dann drei Millimeter pro Jahr, und die fünf jüngsten 20-Jahres-Durchschnittswerte (rot eingetragen) zeigen die höchsten Werte überhaupt.

Abbildung 4: Entwicklung der 20-Jahres-Trends beim Anstieg des globalen Durchschnitts-Meeresspiegels (schwarze Kurve), grau gepunktet ist die 1-Sigma-Fehlermarge verzeichnet, rot dargestellt sind die letzten fünf Werte; Quelle: Church 2008
Insgesamt ergibt sich also aus einer umfassenden Untersuchung der historischen Aufzeichnungen, dass der Meeresspiegel nicht einfach nur steigt. Vielmehr hat sich der Anstieg seit dem späten 19. Jahrhundert noch beschleunigt. Auch an den deutschen Küsten sind die Meeresspiegel in den letzten Jahren stärker gestiegen, wie Pegeldaten aus der Deutschen Bucht belegen (Wahl 2011).
Mittlerweile warnen Forscher sogar (Vermeer 2009), die bisherigen Zahlen des IPCC zum Ozeanpegel könnten das Problem deutlich unterschätzen.
John Cook/klimafakten.de, Stand: November 2011