Behauptung: „Klimawandel? Gibt es nicht!“

Behauptung: „Die Temperaturdaten sind nicht verlässlich“

Behauptung: Die Messreihen zur Erdtemperatur, auf deren Basis der Klimawandel diagnostiziert wurde, sind durch menschliche Einflüsse verzerrt. Viele US-amerikanische Wetterstationen beispielsweise stehen in unmittelbarer Nähe zu Abluftventilatoren von Klimaanlagen, asphaltierten Parkplätzen, glühend heißen Dächern sowie Gehwegen und Gebäuden, die Wärme absorbieren und abstrahlen.

Fakt ist: Der Trend der Erderwärmung kann mit Daten unzähliger Wetterstationen belegt werden

Antwort: 

Zahlreiche Studien zum Einfluss städtischer Wärmeinseln und des Mikroklimas einzelner Standorte zeigen, dass deren Auswirkungen auf Daten für die langfristige Entwicklung vernachlässigbar sind.  Dies gilt vor allem, wenn Durchschnittswerte größerer Regionen ermittelt werden.

Unter Wissenschaftlern besteht ein allgemeiner Konsens darüber, dass verbesserte Temperaturaufzeichnungen ein wichtiges Ziel sind – insofern sind die Bemühungen von Kritikern lobenswert. Dennoch ist die häufige Annahme fehlerhaft, verbesserte Temperaturerhebungen würden die Tendenz der globalen Erwärmung widerlegen oder stark relativieren.

Datenjustierung zum Ausgleich städtischer Wärmeinseln

Bei der Erhebung von Temperaturdaten scheut das Goddard-Institut für Weltraumforschung (GISS) der NASA wie auch die anderen wichtigen Klimaforschungszentren keine Mühen, um mögliche Einflüsse städtischer Wärmeinseln auszuschalten. Beispielsweise werden langfristige Trends in Städten mit jenen der ländlichen Umgebung verglichen – und anschließend die städtischen an die ländlichen Entwicklungen angepasst. Dieses Verfahren ist ausführlich auf der NASA-Website beschrieben (Hansen 2001).
In den meisten Fällen war die zusätzliche Erwärmung in Städten ohnehin gering und fiel in die übliche Schwankungsbreite der Daten. Überraschenderweise zeigen 42 Prozent der Städte sogar niedrigere Temperaturen als ihre ländliche Umgebung, da Wetterstationen oft an kühlen Orten aufgestellt werden, z. B. in Stadtparks. Entscheidend ist, dass man sich städtischer Wärmeinseln und ihrer Wirkung bewusst ist und dass diese bei der Analyse von Temperaturaufzeichnungen angemessen berücksichtigt werden.

 

Ein Fehler bei der NASA und seine Bedeutung

Vor allem in den USA hat ein Fehler in den Temperaturdaten der NASA größeres Aufsehen erregt, den der Bergbauingenieur Steven McIntyre vor ein paar Jahren entdeckte. Mit Beginn des Jahres 2000, so war ihm aufgefallen, gab es einen unerklärlichen Sprung in der Messreihe. Tatsächlich musste die NASA – peinlicherweise – den Datensatz korrigieren. Doch wie bedeutend war der Fehler wirklich?

Die Abbildung 1 vergleicht die weltweite Temperaturentwicklung, wie sie vor und nach der Korrektur berechnet wurde. Vor der Entdeckung des Irrtums zeigte sich ein Temperaturanstieg von 0,185 °C pro Jahrzehnt. Nach der Anpassung beträgt der Anstieg noch immer 0,185 °C pro Jahrzehnt. Die Veränderung des weltweiten Durchschnitts liegt bei unter einem tausendstel Grad.

 

Anomalie der globalen Temperatur

Abbildung 1: Anomalie der globalen Temperatur vor (rote Quadrate) und nach (schwarze Rauten) der Korrektur des Jahr-2000-Problems der NASA; Quelle: Open Mind

 

Weitere, voneinander unabhängige Belege für steigende Temperaturen

Diese Entwicklungstrends der Oberflächentemperaturen werden von mehreren unabhängigen Quellen bestätigt:

  • Die Oberflächentemperaturanalyse des GISS (NASA) stimmt stark mit zwei Analysen in den USA und Großbritannien überein, die unabhängig von der GISS arbeiten: dem US-Klimadatenzentrums (NCDC) und der Klimaforschungsabteilung der University of East Anglia (Global Temperature Record).
  • Das BEST-Forschungsprojekt der Universität Berkeley überprüfte 2010 und 2011 noch einmal völlig unabhängig von den anderen drei weltweiten Temperaturdatensätzen der Klimaforschung die Erderwärmung. Ergebnis: Die Daten stimmen, der Klimawandel ist Realität.
  • Wetterballonmessungen über den Zeitraum von 1975 bis 2005 haben ergeben, dass die globale durchschnittliche Lufttemperatur nahe der Erdoberfläche um ca. 0,23 °C pro Jahrzehnt gestiegen ist.

John Cook/klimafakten.de; Stand: November 2011