Behauptung: „Wegen sinkender Sonnenaktivität wird der Klimawandel demnächst pausieren“
Fakt ist: Selbst wenn die Sonnenaktivität zurückgehen sollte, wären die Folgen für die Erderwärmung marginal
Die Sonne ist ein wichtiger Faktor für das Klima der Erde. Ihre Aktivität steigt und fällt in Elf-Jahres-Zyklen, und die Ausschläge dieser Zyklen können stark schwanken. Deshalb wird gelegentlich spekuliert, was denn mit dem Klima passieren würde, wenn die Sonne in den nächsten Jahrzehnten in eine Ruhephase eintreten würde. Nicht viel, lautet die wissenschaftliche Antwort.
Drei Aspekte sind bei der Frage zu unterscheiden: Erstens wie wahrscheinlich ein bevorstehender Rückgang der Sonnenaktivität überhaupt ist. Zweitens die Stärke des Rückgangs. Und drittens die Folgen eines Rückgangs für die ja bereits laufende, vom Menschen verursachte Erderwärmung.
1. Im historischen Vergleich waren die letzten Sonnenzyklen relativ stark. Daneben wird der gegenwärtig laufende Zyklus Nummer 24 wahrscheinlich schwächer ausfallen. Nach Ansicht vieler Forscher wird die solare Aktivität in den folgenden Zyklen noch weiter zurückgehen (de Jager/Duhau 2009, Lean 2010). Derartige Vorhersagen sind aber in der Wissenschaft umstritten, weil die physikalischen Ursachen der solaren Schwankungen noch nicht endgültig erforscht sind.
2. Einige Wissenschaftler erwarten für die Zeit nach dem 24. Zyklus eine längere Phase niedrigerer Sonnenaktivität, ein sogenanntes großes Minimum, das ähnlich ruhig ausfallen könnte wie das extreme Maunder-Minimum im 17. Jahrhundert. Der britische Sonnenforscher Michael Lockwood beziffert die Wahrscheinlichkeit eines neuen Maunder-Minimums innerhalb der nächsten 50 Jahre allerdings nur auf acht Prozent (Lockwood 2011). Aber, wie gesagt, solche Prognosen sind unsicher.
3. Die wichtigste Frage ist jedoch: Welche Folgen hätte eine „kalte Sonne“ für das Klima der Erde? Antworten können einerseits Aufzeichnungen über das Klima während zurückliegender Ruhephasen der Sonne geben, andererseits computergestützte Klimamodelle. Wichtig ist dabei, nicht nur lokale Temperaturänderungen zu betrachten, sondern deren weltweiten Durchschnitt:
- Eine Untersuchung des Maunder-Minimums ergab, dass einige Regionen der Erde damals stark abkühlten (zum Beispiel Mitteleuropa), in anderen jedoch die Temperatur stabil blieb oder gar stieg; global gesehen änderte sich relativ wenig, die Erdmitteltemperatur sank um lediglich 0,3 bis 0,4 Grad Celsius (Shindell 2001). Hier zeigte sich, dass der Einfluss der Sonne begrenzt ist. So trug die Sonne auch zur Erderwärmung der vergangenen hundert Jahre nur etwa ein Zehntel bei (Lean 2008).
- Feulner&Rahmstorf (2010) simulierten im Computer, was bei einer Wiederholung des Maunder-Minimums im kommenden Jahrhundert passieren würde. Ihr Ergebnis war dasselbe: eine „moderate Temperaturminderung“ von „höchstwahrscheinlich 0,1 Grad Celsius“, jedenfalls „nicht mehr als 0,3 Grad Celsius im Jahr 2100“. Abbildung 1 stellt die Ergebnisse grafisch dar.

Abbildung 1: Veränderung der Erdmitteltemperatur von 1900 bis 2100 (relativ zum Niveau 1961-1990), blau dargestellt sind die Messdaten der Vergangenheit, rot und violett die Entwicklung für zwei verschiedene Szenarien des IPCC zum Ausstoß menschengemachter Treibhausgase – die durchgehende rote bzw. die violette Linie zeigen die Entwicklung bei unveränderter Sonnenaktivität, die gestrichtelten Linien jene bei Eintritt eines neuen Tiefpunkts der Sonnenaktivität („Grand Minimum“) von der Größenordnung des Maunder-Minimums; Quelle: Feulner&Rahmstorf 2010
- In einer weiteren, ganz aktuellen Studie wird die mögliche Dämpfung der Erderwärmung durch ein neues Maunder-Minimum auf lediglich 0,13 Grad Celsius bis 2100 beziffert (Jones 2012). Einen nur moderaten Rückgang der Sonnenaktivität halten die Forscher aber für wahrscheinlicher als ein neues Maunder-Minimum. In diesem realistischen Szenario ergäbe sich bis 2100 eine Minderung der Erwärmung zwischen 0,06 und 0,1 Grad Celsius.
Demnach könnte eine Ruhephase der Sonnenaktivität den Klimawandel im nächsten Jahrhundert um 0,06 bis 0,3 Grad Celsius dämpfen. Ist das viel?
Nein. Laut der IPCC-Szenarien ist bis 2100 mit einem Anstieg der Erdmitteltemperatur um 1,1 bis 6,4 Grad Celsius zu rechnen, also um ein Vielfaches der möglichen Abkühlung durch eine „kalte Sonne“. Eine abnehmende Sonnenaktivität in den kommenden Jahrzehnten wird also, selbst wenn sie extrem ausfällt, nur sehr, sehr wenig an der menschengemachten Erderwärmung ändern.
Georg Feulner/Toralf Staud/klimafakten.de, Stand: Februar 2012







